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Kleinkindnahrung im Supermarkt: Verarbeitungsgrad und Nährwert im Blick

Kleinkindnahrung im Supermarkt: Verarbeitungsgrad und Nährwert im Blick 3

Eine Untersuchung des Angebots an Kleinkindnahrung in 21 Lebensmittelgeschäften in Texas zeigt, dass hochverarbeitete Produkte einen großen Teil des verfügbaren Sortiments ausmachen. Vier von fünf untersuchten Produkten wurden als hochverarbeitet eingestuft. Zudem erfüllte nahezu die Hälfte der Produkte mindestens einen der von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlenen Nährstoffrichtwerte für kommerziell hergestellte Lebensmittel für Kinder im Alter von 6 bis 36 Monaten nicht.

Die Ergebnisse verdeutlichen ein Problem, das über den untersuchten US-amerikanischen Markt hinaus von Bedeutung ist: Für Eltern ist es häufig schwierig einzuschätzen, welchen ernährungsphysiologischen Wert industriell hergestellte Kleinkindprodukte tatsächlich haben. Produktaufmachung, gesundheitsbezogene Angaben und die Platzierung im Handel können zudem den Eindruck vermitteln, dass sich diese Produkte grundsätzlich für eine ausgewogene Ernährung von Kleinkindern eignen. Die tatsächliche Zusammensetzung und der Verarbeitungsgrad können davon jedoch erheblich abweichen.

Frühe Ernährungsentscheidungen können langfristige Gewohnheiten prägen

„Viele Eltern gehen möglicherweise davon aus, dass Produkte, die speziell für Säuglinge und Kleinkinder vermarktet werden, automatisch bestimmten ernährungsphysiologischen Standards entsprechen. Die Ergebnisse zeigen jedoch, dass dies nicht bei allen Produkten der Fall ist“, sagte Erin A. Hudson, JD, ASN Science Policy Fellow und Doktorandin an der University of Texas in Austin. „Daher ist es wichtig, die Nährwertangaben und Zutatenlisten kritisch zu betrachten und sowohl den Nährstoffgehalt als auch den Verarbeitungsgrad der Produkte zu berücksichtigen.“

Kleinkindnahrung im Supermarkt: Verarbeitungsgrad und Nährwert im Blick 4Die Ernährung in den ersten Lebensjahren spielt nämlich eine wichtige Rolle für die Entwicklung von Geschmackspräferenzen und Ernährungsgewohnheiten. Damit kommt auch der Zusammensetzung kommerziell angebotener Lebensmittel für Kleinkinder eine besondere Bedeutung zu. Ein hoher Konsum freier beziehungsweise zugesetzter Zucker sowie eine insgesamt ungünstige Ernährungsqualität gelten dabei als relevante Faktoren für die Entwicklung langfristiger Ernährungsgewohnheiten.

Für die Untersuchung fotografierten die Forschenden die Abteilungen für Baby- und Kleinkindnahrung in 21 Lebensmittelgeschäften in Austin, Texas. Anschließend bewerteten sie die Nährwertangaben von Produkten, die für Kinder im Alter von 6 bis 36 Monaten vermarktet wurden. Säuglingsanfangsnahrung, Getränke und Pürees, die typischerweise als erste Beikost angeboten werden, wurden nicht berücksichtigt. Insgesamt wurden 2.783 Produkte erfasst. Anhand des NOVA-Klassifikationssystems stuften die Forschenden 81 % der Produkte als ultrahochverarbeitet ein.

Mehrere Produkte wichen von den empfohlenen Nährwertprofilen ab

Die Nährwertanalyse zeigte mehrere Bereiche, in denen Produkte von den von der WHO empfohlenen Nährstoffprofilen abwichen. 17 % der Produkte überschritten beziehungsweise erfüllten die Empfehlungen für Zucker nicht, 25 % überschritten den empfohlenen Natriumgehalt, 11 % lagen unter dem vorgesehenen Fettgehalt und 12 % erfüllten die Empfehlung hinsichtlich der Energiedichte nicht.

Zu den Produkten mit ungünstigen Nährwertprofilen gehörten unter anderem Obstsnacks mit einem hohen Zuckergehalt, Haferriegel mit hohen Zucker- und Energiewerten sowie herzhafte Snacks und Fertiggerichte mit vergleichsweise hohen Mengen an Natrium und Fett.

Dabei ist zu berücksichtigen, dass einzelne Nährwerte nicht isoliert betrachtet werden sollten. Ein höherer Fett- oder Energiegehalt bedeutet nicht zwangsläufig eine schlechtere ernährungsphysiologische Qualität. Lebensmittel können beispielsweise aufgrund nährstoffreicher Zutaten wie Nüssen, Samen oder Fleisch einen höheren Energie- oder Fettgehalt aufweisen. Entscheidend ist daher die gesamte Zusammensetzung eines Lebensmittels und nicht allein die Höhe eines einzelnen Nährstoffs.

Die Rolle hochverarbeiteter Lebensmittel

Besondere Aufmerksamkeit verdient der Zusammenhang zwischen dem Verarbeitungsgrad und der Nährstoffzusammensetzung. In der Untersuchung enthielten hochverarbeitete Kleinkindprodukte häufiger größere Mengen an Zucker als weniger stark verarbeitete Produkte. Dies ist insbesondere deshalb relevant, weil hochverarbeitete Lebensmittel nicht allein aufgrund ihres Nährstoffprofils bewertet werden können. Auch Faktoren wie Zutatenzusammensetzung, Energiedichte, Textur, Geschmack, Portionsgröße und die Art der Vermarktung können das Ernährungsverhalten beeinflussen.

Kleinkindnahrung im Supermarkt: Verarbeitungsgrad und Nährwert im Blick 1Frühere Forschung hat einen hohen Konsum ultrahochverarbeiteter Lebensmittel mit verschiedenen ungünstigen gesundheitlichen Entwicklungen in Verbindung gebracht. Welche Eigenschaften dieser Lebensmittel für die beobachteten Zusammenhänge verantwortlich sind, ist jedoch noch nicht abschließend geklärt. Entsprechend sollte auch die NOVA-Klassifikation nicht als alleiniger Maßstab für die ernährungsphysiologische Qualität eines Produkts verstanden werden.

Für die Ernährung von Kleinkindern spricht dennoch vieles dafür, stark verarbeitete und insbesondere stark zucker- oder salzhaltige Produkte nicht zum regelmäßigen Bestandteil der Ernährung werden zu lassen und stattdessen eine möglichst vielfältige Ernährung mit überwiegend wenig oder unverarbeiteten Lebensmitteln zu fördern.

Herausforderung für Eltern und Lebensmittelkennzeichnung

Für Eltern stellt sich damit nicht nur die Frage, welche Produkte verfügbar sind, sondern auch, wie leicht sich deren ernährungsphysiologische Qualität erkennen lässt. Eine ansprechende Verpackung oder die ausdrückliche Vermarktung als Kinder- oder Kleinkindprodukt bedeutet nicht automatisch, dass ein Lebensmittel den Empfehlungen für eine ausgewogene Ernährung entspricht.

Eine klarere und verständlichere Kennzeichnung könnte Eltern dabei unterstützen, Produkte hinsichtlich ihres Zucker-, Salz- beziehungsweise Natrium-, Fett- und Energiegehalts sowie ihrer Zutaten besser einzuordnen. Gleichzeitig sollte die Kennzeichnung nicht dazu führen, dass einzelne Nährstoffe isoliert bewertet werden. Gerade bei Kleinkindern ist die Gesamtqualität der Ernährung entscheidend.

In Europa gelten hierfür teilweise andere Rahmenbedingungen als in den USA. Auf Ebene der Europäischen Union bestehen gemeinsame Vorgaben für Lebensmittelkennzeichnung und bestimmte gesundheits- und nährwertbezogene Angaben; gleichzeitig unterscheiden sich nationale Ernährungsempfehlungen, Kennzeichnungssysteme und Maßnahmen zur Regulierung der Vermarktung von Lebensmitteln an Kinder. Ein unmittelbarer Vergleich zwischen den USA und Europa ist deshalb nur eingeschränkt möglich.

Was die Ergebnisse für Europa bedeuten können

Die Untersuchung liefert keine direkten Daten über das Angebot in europäischen Supermärkten, da ausschließlich Geschäfte in Austin, Texas, untersucht wurden. Die grundlegende Fragestellung ist jedoch auch für Europa relevant: Welche Produkte werden Kleinkindern angeboten, wie stark sind sie verarbeitet und in welchem Maß entsprechen sie den Empfehlungen für eine ausgewogene Ernährung? Für eine europäische Einordnung wäre daher eine systematische Untersuchung verschiedener Länder und Handelsmärkte notwendig. Dabei könnten neben der Nährstoffzusammensetzung auch der Verarbeitungsgrad, Portionsgrößen, Zutaten, Verpackungsgestaltung, gesundheitsbezogene Angaben und die Vermarktung gegenüber Eltern und Kindern berücksichtigt werden.

Die US-amerikanische Studie sollte deshalb nicht als Beleg dafür verstanden werden, dass europäische Kleinkindnahrung in gleichem Maße hochverarbeitet ist oder dieselben Nährwertprobleme aufweist. Sie kann vielmehr als Hinweis auf eine international relevante Fragestellung dienen: Wie gut schützen bestehende Ernährungs- und Kennzeichnungsstandards Kleinkinder vor einer Ernährung, die einen hohen Anteil stark verarbeiteter, zucker- oder salzreicher Produkte enthält, und wie gut können Eltern die Qualität dieser Produkte erkennen? Für Eltern kann es daher hilfreich sein, beim Kauf von Kleinkindprodukten nicht allein auf die Produktaufmachung oder spezielle Hinweise wie „für Kinder geeignet“ zu achten. Ein Blick auf die Zutatenliste und die Nährwertangaben kann Aufschluss darüber geben, ob ein Produkt beispielsweise viel Zucker oder Salz enthält. Auch die Reihenfolge der Zutaten ist relevant, da die mengenmäßig am stärksten vertretenen Zutaten zuerst aufgeführt werden. Produkte mit einer kurzen, überschaubaren Zutatenliste und einem hohen Anteil an erkennbaren, wenig verarbeiteten Lebensmitteln können eine sinnvolle Orientierung bieten. Gleichzeitig sollte nicht jedes verarbeitete Lebensmittel grundsätzlich vermieden werden: Verarbeitung kann Lebensmittel haltbarer, sicherer oder praktischer machen. Entscheidend ist vielmehr, wie stark ein Produkt verarbeitet ist, welche Zutaten es enthält und welchen Stellenwert es innerhalb der gesamten Ernährung des Kindes einnimmt.

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