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Weniger Zucker als Baby, weniger Herzinfarkte als Erwachsener

Weniger Zucker als Baby, weniger Herzinfarkte als Erwachsener

Die Begrenzung des Zuckerkonsums in der frühen Kindheit kann das Risiko schwerwiegender Herzprobleme im späteren Leben verringern. Eine in The BMJ veröffentlichte Studie, die auf Daten aus der Zeit nach der Aufhebung der Zuckerrationierung im Vereinigten Königreich im Jahr 1953 basiert, ergab, dass Menschen, die in ihrer Kindheit weniger Zucker konsumierten, als Erwachsene seltener an Erkrankungen wie Herzinfarkt, Herzinsuffizienz und Schlaganfall litten. Die stärkste Schutzwirkung – zusammen mit der größten Verzögerung des Ausbruchs von Herzerkrankungen – wurde bei Personen beobachtet, deren Zuckerkonsum von der Empfängnis („in utero“) bis zum Alter von etwa zwei Jahren eingeschränkt war.

Zucker und seine Gefahren

Gesundheitsexperten weisen seit langem darauf hin, dass die ersten 1000 Lebenstage (von der Empfängnis bis zum Alter von etwa zwei Jahren) eine entscheidende Phase darstellen, in der die Ernährung die langfristige Gesundheit beeinflussen kann. Aktuelle Richtlinien empfehlen, zuckerhaltige Getränke und stark verarbeitete Lebensmittel (die oft viel Zucker enthalten) zu vermeiden, wenn Säuglinge und Kleinkinder beginnen, feste Nahrung zu sich zu nehmen.

Weniger Zucker als Baby, weniger Herzinfarkte als Erwachsener 1In den ersten Lebensjahren werden Geschmacksvorlieben geprägt. Wenn Kinder früh an sehr süße Lebensmittel gewöhnt werden, bevorzugen sie später häufiger stark gesüßte Speisen und Getränke. Das kann langfristig zu einer insgesamt höheren Zuckeraufnahme führen. Hinzu kommt, dass Zucker „leere Kalorien“ liefert. Er enthält viel Energie, aber kaum Vitamine, Mineralstoffe oder Ballaststoffe. Der Magen eines Babys ist klein – wenn er mit süßen Getränken oder stark verarbeiteten Snacks gefüllt wird, bleibt weniger Platz für nährstoffreiche Lebensmittel wie Gemüse, Obst, Vollkornprodukte oder eiweißreiche Kost, die für Wachstum, Gehirnentwicklung und Immunsystem wichtig sind.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Zahngesundheit. Auch bei den ersten Milchzähnen kann Zucker Karies verursachen. Zucker dient Bakterien im Mund als Nahrung; sie produzieren Säuren, die den Zahnschmelz angreifen. Besonders problematisch sind zuckerhaltige Getränke in Nuckelflaschen, weil die Zähne dabei über längere Zeit umspült werden.

Darüber hinaus steht eine dauerhaft hohe Zuckerzufuhr im Zusammenhang mit einem erhöhten Risiko für Übergewicht, Stoffwechselstörungen und später auch Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes. Zwar entwickelt sich eine solche Problematik nicht durch einzelne Portionen, doch frühe Ernährungsgewohnheiten beeinflussen das spätere Essverhalten und damit langfristig die Gesundheit.

Ein natürliches Experiment unter Verwendung der britischen Zuckerrationierung

Um zu untersuchen, ob sich eine Zuckerbegrenzung in diesem frühen Zeitraum auf die zukünftige Herzgesundheit auswirkt, nutzten die Forscher ein einzigartiges historisches Ereignis. Die Zuckerrationierung in Großbritannien endete im September 1953, wodurch ein natürlicher Vergleich zwischen Kindern, die vor und nach dieser politischen Änderung geboren wurden, möglich wurde.

Die Analyse umfasste 63.433 Teilnehmer aus der UK Biobank mit einem Durchschnittsalter von 55 Jahren, die zwischen Oktober 1951 und März 1956 geboren wurden und keine Vorerkrankungen des Herzens hatten. Von diesen waren 40.063 in ihrer Kindheit der Zuckerrationierung ausgesetzt, während 23.370 davon nicht betroffen waren.

Die Forscher verknüpften die Gesundheitsdaten der Teilnehmer, um die Häufigkeit von Herz-Kreislauf-Erkrankungen (HKE), Herzinfarkten, Herzinsuffizienz, Herzrhythmusstörungen (Vorhofflimmern), Schlaganfällen und Todesfällen aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu überwachen. Die Analyse berücksichtigte genetische, umweltbedingte und lebensstilbezogene Faktoren, die die Herzgesundheit beeinflussen könnten. Eine zusätzliche Vergleichsgruppe von Erwachsenen, die außerhalb des Vereinigten Königreichs geboren wurden und um 1953 keine Zuckerrationierung oder ähnliche politische Veränderungen erlebt hatten, wurde ebenfalls einbezogen, um die Ergebnisse zu untermauern.

Geringeres kardiovaskuläres Risiko und verzögertes Auftreten

Die Studie ergab, dass eine längere Exposition gegenüber Zuckerrationierung mit einem stetig geringeren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen im Erwachsenenalter einherging. Ein Teil dieses Nutzens schien auf niedrigere Raten von Diabetes und Bluthochdruck bei denjenigen zurückzuführen zu sein, die in jungen Jahren einer Rationierung ausgesetzt waren.

Weniger Zucker als Baby, weniger Herzinfarkte als Erwachsener 2

Im Vergleich zu Menschen, die nie einer Rationierung ausgesetzt waren, hatten Personen, die im Mutterleib und in den ersten 1–2 Lebensjahren einer Rationierung ausgesetzt waren, insgesamt ein um 20 % geringeres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Sie hatten auch ein geringeres Risiko für Herzinfarkt (25 %), Herzinsuffizienz (26 %), Vorhofflimmern (24 %), Schlaganfall (31 %) und kardiovaskulären Tod (27 %).

Zusätzlich zu dem geringeren Risiko traten Herzprobleme tendenziell später auf. Bei denjenigen, die vor der Geburt und in der frühen Kindheit einer Zuckerrationierung ausgesetzt waren, trat der Beginn von Herz-Kreislauf-Erkrankungen im Vergleich zu denjenigen, die keiner Rationierung ausgesetzt waren, um bis zu zweieinhalb Jahre später ein. Die Forscher beobachteten auch moderate, aber signifikante Verbesserungen der Herzgesundheit bei Personen, die von der Rationierung betroffen waren.

Zuckerbegrenzungen und moderne Ernährungsempfehlungen

Während der Rationierungsphase war die Zuckerzufuhr für die gesamte Bevölkerung, einschließlich Schwangerer und Kinder, auf weniger als 40 g pro Tag begrenzt – und Säuglinge unter 2 Jahren durften überhaupt keinen Zucker zu sich nehmen. Diese Grenzwerte entsprechen weitgehend den heutigen Ernährungsempfehlungen für Kleinkinder.

Da es sich um eine Beobachtungsstudie handelte, kann nicht nachgewiesen werden, dass eine geringere Zuckeraufnahme direkt zu besseren Herzwerten führte. Die Forscher weisen auf mehrere Einschränkungen hin, darunter das Fehlen detaillierter individueller Ernährungsprotokolle und die Möglichkeit von Erinnerungsverzerrungen.

Dennoch betonen sie, dass sie aufgrund des großen Umfangs und der sorgfältigen Konzeption der Studie verschiedene Expositionszeiträume vergleichen und mögliche Zusammenhänge zwischen der frühen Zuckeraufnahme und der späteren Herz-Kreislauf-Gesundheit untersuchen konnten. „Unsere Ergebnisse unterstreichen den kardialen Nutzen von Maßnahmen in der frühen Kindheit, die sich auf die Zuckerrationierung konzentrieren. Weitere Studien sollten die Ernährungsexposition auf individueller Ebene untersuchen und die Wechselwirkungen zwischen genetischen, umweltbedingten und Lebensstilfaktoren berücksichtigen, um personalisiertere Präventionsstrategien zu entwickeln.“

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