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Eier und Erdnüsse in der Schwangerschaft: Kann die Ernährung Allergien beim Baby verhindern?

Eier und Erdnüsse in der Schwangerschaft: Kann die Ernährung Allergien beim Baby verhindern?

Was eine Frau während der Schwangerschaft isst, beschäftigt viele werdende Mütter. Dabei geht es längst nicht mehr nur um die Versorgung des ungeborenen Kindes mit Vitaminen, Mineralstoffen und Energie. Auch die Entwicklung des Immunsystems steht zunehmend im Mittelpunkt.

Eine besondere Frage lautet: Kann die Ernährung einer werdenden Mutter beeinflussen, ob ihr Kind später eine Lebensmittelallergie entwickelt? Theoretisch wäre das durchaus denkbar. Bestandteile der Nahrung können während der Schwangerschaft über die Plazenta beziehungsweise das Fruchtwasser mit dem ungeborenen Kind in Kontakt kommen. Nach der Geburt können bestimmte Nahrungsbestandteile außerdem über die Muttermilch weitergegeben werden. Eine große australische Studie liefert nun wichtige neue Erkenntnisse: Besonders viel Ei und Erdnuss während Schwangerschaft und Stillzeit konnte das Allergierisiko der Kinder nicht senken. Die Ergebnisse wurden im New England Journal of Medicine veröffentlicht.

Die Idee hinter der Studie

Lebensmittelallergien entstehen nicht erst in dem Moment, in dem ein Kind zum ersten Mal ein bestimmtes Lebensmittel isst. Das Immunsystem entwickelt sich bereits sehr früh im Leben. Deshalb entstand die Überlegung, ob eine besonders frühe Begegnung mit potenziellen Allergenen möglicherweise zur Entwicklung einer sogenannten Immuntoleranz beitragen könnte.

Eier und Erdnüsse in der Schwangerschaft: Kann die Ernährung Allergien beim Baby verhindern? 1

Bei einer Toleranz erkennt das Immunsystem einen eigentlich harmlosen Stoff, ohne eine krankhafte Abwehrreaktion auszulösen. Wenn ein ungeborenes oder gestilltes Kind bereits vor der Einführung fester Nahrung mit winzigen Mengen bestimmter Nahrungsbestandteile in Kontakt kommt, könnte dies theoretisch einen solchen Gewöhnungseffekt unterstützen.

Genau diese Hypothese stand hinter der australischen PrEggNut-Studie. Die Forschenden wollten dabei nicht nur beobachten, was Frauen ohnehin essen. Sie teilten die Teilnehmerinnen zufällig verschiedenen Ernährungsgruppen zu. Dadurch lässt sich wesentlich zuverlässiger untersuchen, ob eine erhöhte Aufnahme von Ei und Erdnüssen tatsächlich einen Einfluss auf die spätere Allergieentwicklung hat.

Mehr als 2.000 Schwangere nahmen teil

An der Studie beteiligten sich 2.137 schwangere Frauen aus vier australischen Städten. Die Teilnehmerinnen wurden vor der 23. Schwangerschaftswoche aufgenommen. Besonders interessant war, dass ihre ungeborenen Kinder ein erhöhtes familiäres Allergierisiko hatten: Mindestens zwei biologische Verwandte ersten Grades mussten eine ärztlich diagnostizierte allergische Erkrankung haben. Frauen, die selbst eine Ei- oder Erdnussallergie hatten, wurden von der Untersuchung ausgeschlossen.

Anschließend wurden die Teilnehmerinnen per Zufallsprinzip zwei Gruppen zugeteilt. Die Frauen in der Gruppe mit der erhöhten Aufnahme sollten mindestens sechs Eier und 60 Erdnüsse pro Woche essen. Die Vergleichsgruppe sollte dagegen höchstens drei Eier und 30 Erdnüsse pro Woche verzehren. Diese Ernährung wurde von der Schwangerschaft bis vier Monate nach der Geburt beziehungsweise während der entsprechenden Stillzeit beibehalten.

Das Ergebnis war überraschend eindeutig

Mit einem solchen Versuchsaufbau wollten die Forschenden herausfinden, ob die höhere Aufnahme der beiden Lebensmittel später einen messbaren Unterschied beim Kind bewirken würde. Doch genau das zeigte sich nicht. Im Alter von einem Jahr hatten 7,8 Prozent der Kinder aus der Gruppe mit hoher Ei- und Erdnussaufnahme eine IgE-vermittelte Allergie gegen Ei oder Erdnuss entwickelt. In der Vergleichsgruppe waren es 8,4 Prozent.

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Der Unterschied war statistisch nicht signifikant. Das relative Risiko lag bei 0,93; das 95-Prozent-Konfidenzintervall reichte von 0,69 bis 1,26. Auch der statistische Test ergab keinen überzeugenden Hinweis auf einen Schutz durch die erhöhte mütterliche Aufnahme. Mit anderen Worten: Die Kinder profitierten nicht erkennbar davon, dass ihre Mütter besonders große Mengen Ei und Erdnüsse gegessen hatten.

Die Forschenden betrachteten außerdem die beiden Allergien getrennt. Eine IgE-vermittelte Ei-Allergie wurde bei 6,2 Prozent der Kinder in der Gruppe mit hoher mütterlicher Aufnahme festgestellt. In der Vergleichsgruppe waren es 7,2 Prozent. Bei der Erdnussallergie lagen beide Gruppen dagegen bei 2,6 Prozent. Auch diese Unterschiede lieferten keinen überzeugenden Nachweis dafür, dass der besonders hohe Verzehr durch die Mutter das Allergierisiko des Kindes reduziert.

Was bedeutet „IgE-vermittelte Allergie“?

Der Begriff ist wichtig, weil nicht jede Unverträglichkeit gegenüber einem Lebensmittel automatisch eine klassische Lebensmittelallergie darstellt. Bei einer IgE-vermittelten Allergie reagiert das Immunsystem auf ein eigentlich harmloses Eiweiß mit der Bildung spezifischer Antikörper des Typs Immunglobulin E, kurz IgE. Bei erneutem Kontakt können diese Antikörper eine allergische Reaktion auslösen. Die Beschwerden können beispielsweise Haut, Atemwege oder den Magen-Darm-Trakt betreffen und in schweren Fällen eine Anaphylaxie auslösen.

In der australischen Studie wurde deshalb nicht einfach anhand von Fragebögen beurteilt, ob ein Kind möglicherweise allergisch war. Die Forschenden verwendeten medizinische Untersuchungen wie Haut-Prick-Tests und Lebensmittelprovokationen, wobei die Personen, die die Ergebnisse bewerteten, nicht wussten, welcher Ernährungsgruppe die jeweilige Mutter angehört hatte.

Auch beim Ekzem gab es keinen entscheidenden Unterschied. Die Untersuchung beschränkte sich nicht ausschließlich auf Ei- und Erdnussallergien. Auch das Auftreten eines medizinisch diagnostizierten Ekzems wurde erfasst. Bis zum Alter von zwölf Monaten waren 42,8 Prozent der Kinder aus der Gruppe mit hoher mütterlicher Ei- und Erdnussaufnahme betroffen. In der Vergleichsgruppe waren es 46,2 Prozent.  Auch daraus ergibt sich kein überzeugender Beleg dafür, dass der besonders hohe Verzehr von Ei und Erdnüssen während Schwangerschaft und Stillzeit allergische Erkrankungen beim Kind verhindert.

Die Studie widerspricht nicht der Idee einer frühen Allergieprävention

Auf den ersten Blick könnte das Ergebnis verwirrend sein. Wenn eine frühe Begegnung mit Allergenen möglicherweise hilfreich ist – warum funktioniert sie dann nicht bereits über die Ernährung der Mutter? Der entscheidende Punkt ist, wie und wann das Immunsystem mit dem Allergen in Kontakt kommt.

Frühere Forschung hat gezeigt, dass eine gezielte Einführung bestimmter allergener Lebensmittel direkt beim Säugling einen schützenden Effekt haben kann. Besonders bekannt wurde die LEAP-Studie, in der die frühe Einführung von Erdnüssen bei Säuglingen mit erhöhtem Allergierisiko das spätere Risiko einer Erdnussallergie deutlich senkte.

Die PrEggNut-Studie untersucht dagegen einen anderen Weg: Die Exposition erfolgt zunächst über die Mutter – also während Schwangerschaft und Stillzeit. Die beiden Situationen sind deshalb nicht gleichzusetzen.

Der entscheidende Unterschied liegt möglicherweise beim Säugling selbst

Die heutige Forschung zur Allergieprävention hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Lange Zeit herrschte die Vorstellung, dass Säuglinge möglichst lange von allergenen Lebensmitteln ferngehalten werden sollten. Inzwischen gibt es gute Hinweise darauf, dass eine rechtzeitige und regelmäßige Einführung bestimmter allergener Lebensmittel im Säuglingsalter die Entwicklung einer Toleranz unterstützen kann. Die aktuelle PrEggNut-Studie stellt dieses Konzept nicht infrage.

Eier und Erdnüsse in der Schwangerschaft: Kann die Ernährung Allergien beim Baby verhindern? 3

Sie zeigt vielmehr, dass ein zusätzlicher Schutz offenbar nicht dadurch entsteht, dass die Mutter während Schwangerschaft und Stillzeit besonders große Mengen der entsprechenden Lebensmittel zu sich nimmt. Eine aktuelle Einordnung im New England Journal of Medicine beschreibt die Ergebnisse deshalb eher als Beruhigung denn als Aufforderung zu einer speziellen Ernährungsstrategie.

Was Schwangere daraus mitnehmen können

Die Ergebnisse bedeuten nicht, dass Schwangere Ei oder Erdnüsse vermeiden sollten. Das ist ein wichtiger Unterschied. Die Studie verglich eine normale beziehungsweise begrenztere Aufnahme mit einer gezielt erhöhten Aufnahme. Sie zeigt, dass das zusätzliche Essen großer Mengen keinen erkennbaren Allergieschutz für das Kind brachte. Für eine werdende Mutter ergibt sich daraus daher kein Grund, Ei oder Erdnüsse allein zur Allergieprävention in ungewöhnlich großen Mengen zu essen. Ebenso lässt sich aus der Studie nicht ableiten, dass eine Frau diese Lebensmittel grundsätzlich meiden sollte, wenn sie sie gut verträgt.

Was ist mit Frauen, die selbst eine Allergie haben?

Hier ist besondere Vorsicht wichtig. Frauen mit einer bekannten Ei- oder Erdnussallergie waren von der Studie ausgeschlossen. Die Ergebnisse können deshalb nicht als Empfehlung verstanden werden, dass Frauen mit einer eigenen Lebensmittelallergie während der Schwangerschaft diese Lebensmittel bewusst konsumieren sollten. Bei einer bekannten Allergie gelten individuelle medizinische Empfehlungen.

Auch für andere Ernährungsfragen in der Schwangerschaft – etwa bei einer besonderen Stoffwechselsituation, Unterversorgung oder anderen medizinischen Problemen – lässt sich aus dieser Studie keine allgemeine Ernährungsberatung ableiten.

Warum die Ergebnisse trotzdem wichtig sind

Die Studie ist vor allem deshalb interessant, weil sie eine sehr konkrete Vorstellung überprüft hat: Könnte man die Allergieentwicklung des Kindes bereits während der Schwangerschaft beeinflussen, indem die Mutter gezielt mehr allergene Lebensmittel isst? Die Antwort lautet nach den vorliegenden Daten: Ein solcher zusätzlicher Effekt ist nicht nachweisbar.

Das ist wissenschaftlich durchaus wertvoll. Auch eine gut begründete Hypothese muss nicht bestätigt werden. Gerade große randomisierte Studien können dabei helfen, Ernährungsempfehlungen von plausiblen, aber nicht belegten Annahmen zu unterscheiden.

Eier und Erdnüsse in der Schwangerschaft: Kann die Ernährung Allergien beim Baby verhindern? 4Trotz ihrer Größe ist auch diese Studie nicht frei von Einschränkungen. Die beobachtete Allergiehäufigkeit war niedriger als ursprünglich für die Planung der Studie angenommen. Außerdem konnte die Studie nicht vollständig ausschließen, dass eine moderate Schutzwirkung vorhanden ist, weil das Konfidenzintervall auch eine relative Risikoreduktion in einer Größenordnung von etwa 30 Prozent nicht vollständig ausschließt. Hinzu kommt, dass die Teilnehmerinnen wussten, welche Ernährungsgruppe sie zugeteilt bekommen hatten. Eine vollständige Verblindung war bei einer Ernährungsstudie praktisch nicht möglich.

Außerdem stammte die Studienpopulation überwiegend aus einer relativ gut gebildeten und mehrheitlich weißen Bevölkerungsgruppe. Ob die Ergebnisse in gleicher Weise für andere Bevölkerungsgruppen gelten, muss daher weiter untersucht werden.

Die wichtigste Allergieprävention beginnt offenbar später

Die Ergebnisse fügen sich in eine Entwicklung ein, die die Allergieforschung in den vergangenen Jahren stark verändert hat. Die entscheidende Frage scheint weniger zu sein, ob die Mutter während der Schwangerschaft möglichst viele allergene Lebensmittel isst. Vielmehr rückt die gezielte Einführung geeigneter allergener Lebensmittel in der frühen Säuglingsernährung in den Mittelpunkt.

Das bedeutet nicht, dass jedes Baby jedes Allergen möglichst früh und ohne Rücksicht auf seine individuelle Situation bekommen sollte. Zeitpunkt und Form der Einführung sollten altersgerecht erfolgen. Bei Kindern mit hohem Allergierisiko oder insbesondere bei ausgeprägtem Ekzem kann eine ärztliche Beratung vor der Einführung bestimmter Lebensmittel sinnvoll sein.

Auch deutsche Leitlinien empfehlen für die Allergieprävention inzwischen eine frühzeitige, altersgerechte Einführung bestimmter allergener Lebensmittel und raten nicht zu einer pauschalen Vermeidung.

Fazit: Mehr Ei und Erdnüsse schützen das Baby offenbar nicht vor Allergien

Die große PrEggNut-Studie liefert eine wichtige Antwort auf eine lange offene Frage: Besonders viel Ei und Erdnuss während Schwangerschaft und Stillzeit senkt das Risiko einer Ei- oder Erdnussallergie beim Kind im ersten Lebensjahr offenbar nicht. Für Schwangere bedeutet das vor allem eines: Es gibt nach diesen Daten keinen Grund, diese Lebensmittel in ungewöhnlich großen Mengen zu essen, nur um das spätere Allergierisiko des Kindes zu reduzieren.

Gleichzeitig spricht die Studie nicht für eine Vermeidung von Ei oder Erdnüssen bei Frauen, die diese Lebensmittel vertragen. Die Forschung verschiebt den Fokus damit weiter in Richtung der frühen Ernährung des Kindes. Dort gibt es inzwischen wesentlich stärkere Hinweise darauf, dass die rechtzeitige und regelmäßige Aufnahme bestimmter allergener Lebensmittel im Säuglingsalter eine wichtige Rolle bei der Entwicklung von Immuntoleranz spielen kann.

Die Schwangerschaft bleibt für die Entwicklung des Immunsystems zweifellos eine wichtige Phase. Die neue Studie zeigt jedoch, dass eine besonders hohe Aufnahme von Ei und Erdnüssen durch die Mutter allein offenbar nicht der entscheidende Hebel ist, um späteren Lebensmittelallergien beim Kind vorzubeugen.

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