Viele Frauen erreichen nach einer Schwangerschaft ihr Gewicht vor der Geburt nicht wieder. Stattdessen bleibt häufig ein Teil des Schwangerschaftsgewichts bestehen oder es kommt im Laufe der Zeit zu einer weiteren Gewichtszunahme. Dies kann das Risiko für Übergewicht und Adipositas erhöhen und langfristig die Herz-Kreislauf- und Stoffwechselgesundheit beeinträchtigen. Auch für spätere Schwangerschaften kann ein erhöhtes Körpergewicht gesundheitliche Folgen haben.
Eine neue Studie liefert nun Hinweise darauf, dass sogenannte chrononutritive Ernährungsstrategien – also zeitlich abgestimmte Essgewohnheiten – Müttern nach der Geburt dabei helfen könnten, ihr Gewicht besser zu kontrollieren. Besonders erfolgversprechend scheinen dabei Ansätze zu sein, die sich unkompliziert in den ohnehin anspruchsvollen Familienalltag integrieren lassen. Die Ergebnisse wurden im Journal of the Academy of Nutrition and Dietetics veröffentlicht.
Warum die Zeit nach der Geburt eine besondere Herausforderung ist
Die ersten Monate nach der Geburt stellen für viele Frauen eine außergewöhnlich intensive Lebensphase dar. Der Tagesablauf richtet sich häufig nach den Bedürfnissen des Babys, Schlafmangel ist keine Seltenheit und Zeit für die eigene Gesundheit bleibt oft kaum.

„Die Zeit nach der Geburt ist eine besonders anspruchsvolle Lebensphase, in der es für Mütter schwierig sein kann, Zeit für traditionelle Ansätze zur Gewichtsregulierung zu finden, wie das Führen von Ernährungstagebüchern, das Zählen von Kalorien oder den Besuch von Beratungen zur Gewichtsabnahme“, erklärt Studienleiterin Dr. Camille R. Schneider-Worthington von der University of Alabama at Birmingham.
Aus diesem Grund wollten die Forscher untersuchen, ob einfachere Ernährungsstrategien dabei helfen könnten, die Gewichtsabnahme nach der Geburt zu unterstützen und gleichzeitig die Stoffwechselgesundheit zu verbessern.
Was versteht man unter Chrononutrition?
Die Chrononutrition ist ein noch relativ junges Forschungsgebiet der Ernährungswissenschaft. Im Mittelpunkt steht nicht nur die Frage, was und wie viel gegessen wird, sondern auch wann die Nahrungsaufnahme erfolgt. Wissenschaftler gehen davon aus, dass der Zeitpunkt der Mahlzeiten einen Einfluss auf den Stoffwechsel haben kann, da der menschliche Körper einem natürlichen zirkadianen Rhythmus – der sogenannten inneren Uhr – folgt.
Dieser etwa 24-stündige Rhythmus steuert zahlreiche Körperfunktionen, darunter den Schlaf-Wach-Rhythmus, die Hormonproduktion, den Energieverbrauch und den Blutzuckerstoffwechsel. Daher vermuten Forscher, dass Mahlzeiten, die besser an diese biologischen Prozesse angepasst sind, die Gewichtskontrolle und die Stoffwechselgesundheit unterstützen könnten.
Frühere Studien haben bereits gezeigt, dass zeitlich abgestimmte Essgewohnheiten mit positiven Effekten auf das Körpergewicht und den Stoffwechsel verbunden sein können. Bislang war jedoch kaum untersucht worden, ob sich solche Ernährungsstrategien auch im Alltag von Frauen nach der Geburt umsetzen lassen – einer Lebensphase, die häufig durch Schlafmangel, unregelmäßige Tagesabläufe und die Betreuung eines Neugeborenen geprägt ist.
Um diese Frage zu beantworten, führten die Wissenschaftler eine qualitative Studie mit zehn Müttern durch, die sich innerhalb der ersten sechs Monate nach der Entbindung in Behandlung am University of Alabama Hospital befanden. In ausführlichen Interviews und mithilfe von Fragebögen berichteten die Teilnehmerinnen über ihre Ess- und Schlafgewohnheiten sowie die Herausforderungen ihres Alltags. Zusätzlich bewerteten sie verschiedene chrononutritive Strategien hinsichtlich ihrer Praktikabilität und gaben an, welche Ansätze sie persönlich bevorzugen würden.
Auf diese Weise wollten die Forscher besser verstehen, welche Faktoren die Essenszeiten junger Mütter beeinflussen und welche zeitbasierten Ernährungsstrategien sich realistisch in den Familienalltag integrieren lassen.
Der Familienalltag bestimmt die Essenszeiten
Die Studie zeigte, dass sich die Essgewohnheiten junger Mütter vor allem nach ihrem Alltag richten. Zu den wichtigsten Einflussfaktoren gehörten:
- der Schlaf- und Tagesrhythmus des Babys,
- die Verfügbarkeit von Kinderbetreuung,
- Unterstützung bei der Essenszubereitung,
- sowie die Arbeitszeiten des Partners.
Besonders wichtig war vielen Teilnehmerinnen außerdem das gemeinsame Abendessen mit der Familie. Dieses wurde als wertvoller Bestandteil des Familienlebens angesehen und spielte eine entscheidende Rolle bei der Bewertung verschiedener Ernährungsstrategien.
Diese Ernährungsstrategien wurden am besten bewertet
Von den verschiedenen untersuchten chrononutritiven Ansätzen fanden zwei Strategien bei den Teilnehmerinnen besonders viel Zustimmung: die sogenannte „Bedtime Stopping Rule“ und die zeitlich begrenzte Nahrungsaufnahme über ein festgelegtes Essensfenster.
Bei der „Bedtime Stopping Rule“ geht es darum, in einem bestimmten Zeitraum vor dem Schlafengehen keine kalorienhaltigen Lebensmittel oder Getränke mehr zu sich zu nehmen. Der genaue Zeitraum kann je nach Konzept unterschiedlich sein. Die Idee dahinter ist, dem Körper über Nacht eine längere Phase ohne Energiezufuhr zu ermöglichen und dadurch möglicherweise den Stoffwechsel zu unterstützen.

Die zweite bevorzugte Methode war die zeitlich begrenzte Nahrungsaufnahme. Dabei wird die tägliche Zeitspanne, in der gegessen wird, auf einen festen Zeitraum reduziert – in dieser Studie beispielsweise auf etwa zehn Stunden. Außerhalb dieses Zeitfensters werden keine Kalorien aufgenommen, während innerhalb des Zeitraums normale Mahlzeiten möglich bleiben.
Ein wichtiger Grund für die positive Bewertung dieser beiden Ansätze war ihre einfache Umsetzung. Die Teilnehmerinnen empfanden es als weniger belastend, auf die Uhr zu achten, als Kalorien zu zählen, Ernährungstagebücher zu führen oder jede Mahlzeit genau zu planen. Gerade für Mütter in den ersten Monaten nach der Geburt kann diese Einfachheit entscheidend sein. Der Alltag wird häufig durch die Bedürfnisse des Babys bestimmt, wodurch feste Ernährungspläne schwer einzuhalten sind. Strategien, die flexibel an den bestehenden Tagesablauf angepasst werden können, erscheinen daher besonders praktikabel. Die Ergebnisse zeigen, dass bei Ernährungsansätzen nach der Geburt nicht nur die wissenschaftliche Wirksamkeit entscheidend ist, sondern auch die Frage, ob eine Methode mit dem realen Familienalltag vereinbar ist.
Große Frühstücke waren kaum beliebt
Deutlich schlechter wurde dagegen die bekannte Empfehlung bewertet, morgens die größte und abends die kleinste Mahlzeit des Tages zu essen – häufig zusammengefasst mit dem Sprichwort „Frühstücke wie ein König, iss zu Abend wie ein Bettler“. Diese Strategie wurde von den Müttern als am wenigsten praktikabel empfunden.
Einige stillende Teilnehmerinnen äußerten zudem die Sorge, dass kleinere Abendmahlzeiten oder der Verzicht auf nächtliches Essen ihre Milchproduktion beeinträchtigen könnten. Die Studienleiterin zeigte sich überrascht über die klare Ablehnung dieses Ansatzes. Gleichzeitig betonte sie, dass stillende Frauen möglicherweise besser darüber informiert werden müssten, dass große Abendmahlzeiten nach aktuellem Wissensstand nicht notwendig sind, um die nächtliche Milchbildung aufrechtzuerhalten.
Einfache Strategien könnten den Alltag erleichtern
Nach Ansicht der Forscher liegt der größte Vorteil der Chrononutrition in ihrer einfachen Umsetzung. Im Gegensatz zum Kalorienzählen oder dem Führen eines Ernährungstagebuchs müssen Mütter lediglich auf den Zeitpunkt ihrer Mahlzeiten achten. Gerade in der Zeit nach der Geburt könnte dies eine alltagstauglichere Alternative darstellen, da sich viele Frauen in dieser Phase verständlicherweise vor allem um ihr Baby kümmern und ihre eigenen Bedürfnisse häufig in den Hintergrund rücken.
Die Wissenschaftler weisen darauf hin, dass die Ergebnisse vorsichtig interpretiert werden sollten. An der Studie nahmen lediglich zehn Frauen aus derselben Region teil, sodass die Aussagekraft begrenzt ist. Größere und vielfältigere Studien sollen nun untersuchen, ob sich die Ergebnisse bestätigen und welche chrononutritiven Strategien langfristig tatsächlich beim Gewichtsmanagement nach der Geburt helfen können. Frauen, die eine zeitbasierte Ernährungsweise ausprobieren möchten, sollten dies nach Empfehlung der Forscher mit ihrer Ärztin, ihrem Arzt oder einer Ernährungsfachkraft besprechen.
Fazit
Die Studie deutet darauf hin, dass zeitbasierte Ernährungsstrategien eine einfache und praktikable Möglichkeit sein könnten, Frauen nach der Geburt beim Gewichtsmanagement zu unterstützen. Besonders gut angenommen wurden Ansätze, die sich ohne großen Aufwand in den Familienalltag integrieren lassen. Ob Chrononutrition langfristig zu einer erfolgreichen Gewichtsabnahme und einer besseren Stoffwechselgesundheit beiträgt, müssen jedoch weitere Studien zeigen.
