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Eine übermäßige Gewichtszunahme in der Schwangerschaft erhöht deutlich das Risiko schwerer Komplikationen

Eine übermäßige Gewichtszunahme in der Schwangerschaft erhöht deutlich das Risiko schwerer Komplikationen 2

Eine übermäßige Gewichtszunahme während der Schwangerschaft kann das Risiko für schwerwiegende und potenziell lebensbedrohliche Komplikationen bei der Mutter erheblich erhöhen. Das zeigt eine groß angelegte Studie mit mehr als einer Million Frauen. Besonders bemerkenswert: Das erhöhte Risiko betrifft Schwangere unabhängig von ihrem Körpergewicht vor der Schwangerschaft – also sowohl Frauen mit Untergewicht oder Normalgewicht als auch mit Übergewicht oder Adipositas. Je nach Ausgangsgewicht stieg das Risiko für schwere mütterliche Komplikationen um 16 bis 33 Prozent. Den stärksten Anstieg beobachteten die Forschenden bei Frauen, die vor der Schwangerschaft als untergewichtig eingestuft wurden.

Internationale Studie auf Adipositas-Kongress vorgestellt

Die Ergebnisse wurden auf dem Internationalen Kongress für Adipositas (ICO 2026) vorgestellt, der von der World Obesity Federation vom 15. bis 17. Juli 2026 in Mexiko-Stadt stattfand. Durchgeführt wurde die Untersuchung von Associate Professor Laura Anderson und der Doktorandin Sahar Khademioore vom Department of Health Research Methods, Evidence, and Impact der McMaster University in Hamilton (Kanada) gemeinsam mit weiteren Forschenden. Die Studie ist Teil des Forschungsprojekts SERENE, das sich mit den Ursachen, Risikofaktoren und langfristigen Folgen schwerer mütterlicher Morbidität beschäftigt. Ziel des Projekts ist es unter anderem, besser zu verstehen, warum diese Komplikationen auftreten, welche Frauen besonders gefährdet sind und wie sich das Risiko künftig verringern lässt.

Was bedeutet schwere mütterliche Morbidität?

Unter schwerer mütterlicher Morbidität (Severe Maternal Morbidity, SMM) werden schwerwiegende gesundheitliche Komplikationen zusammengefasst, die während der Schwangerschaft, bei der Geburt oder in den Wochen nach der Entbindung auftreten können. Obwohl diese Komplikationen dank moderner medizinischer Versorgung häufig erfolgreich behandelt werden, gelten sie als potenziell lebensbedrohlich und können erhebliche Auswirkungen auf die Gesundheit der Mutter haben.

Eine übermäßige Gewichtszunahme in der Schwangerschaft erhöht deutlich das Risiko schwerer KomplikationenZu den häufigsten Ursachen einer schweren mütterlichen Morbidität zählen starke Blutungen nach der Geburt (postpartale Hämorrhagie), schwere Infektionen wie eine Sepsis, Präeklampsie und Eklampsie (schwere Formen des schwangerschaftsbedingten Bluthochdrucks), Blutgerinnungsstörungen, Organversagen, Schlaganfälle sowie Komplikationen, die eine intensivmedizinische Behandlung oder operative Eingriffe erforderlich machen. Auch Notfallmaßnahmen wie Bluttransfusionen oder die Entfernung der Gebärmutter (Hysterektomie) können im Rahmen einer schweren mütterlichen Morbidität notwendig werden.

Die Folgen beschränken sich häufig nicht auf die akute Behandlung im Krankenhaus. Viele betroffene Frauen leiden noch Monate oder sogar Jahre später unter körperlichen Beschwerden, chronischen Schmerzen oder Funktionseinschränkungen. Hinzu kommen psychische Belastungen wie Angststörungen, Depressionen oder posttraumatische Belastungsreaktionen, insbesondere wenn die Komplikationen unerwartet auftraten oder das Leben von Mutter und Kind bedrohten.

Darüber hinaus kann eine schwere mütterliche Morbidität erhebliche soziale und wirtschaftliche Auswirkungen haben. Längere Krankenhausaufenthalte, Rehabilitationsmaßnahmen oder anhaltende gesundheitliche Einschränkungen können den Familienalltag erschweren und die Betreuung des Neugeborenen sowie die Rückkehr in den Beruf verzögern. Aus diesem Grund gilt die Vermeidung schwerer mütterlicher Komplikationen als eines der wichtigsten Ziele der modernen Schwangerschafts- und Geburtsmedizin.

Gewichtszunahme als beeinflussbarer Risikofaktor

Während Faktoren wie Alter oder Vorerkrankungen oft nur eingeschränkt beeinflussbar sind, gilt die Gewichtszunahme während der Schwangerschaft als ein Faktor, der durch eine angemessene medizinische Betreuung positiv beeinflusst werden kann.

Bislang war jedoch unklar, wie stark sich eine zu geringe oder zu hohe Gewichtszunahme auf das Risiko schwerer Komplikationen auswirkt und ob sich dieser Zusammenhang je nach Body-Mass-Index (BMI) vor der Schwangerschaft unterscheidet. Genau dieser Frage widmete sich die aktuelle Untersuchung. Für die Studie analysierten die Forschenden Daten aus dem kanadischen Geburtenregister „Better Outcomes Registry & Network (BORN) Ontario“ sowie Krankenhausdaten des Canadian Institute for Health Information (CIHI).

Untersucht wurden insgesamt 1.035.927 Einlingsschwangerschaften mit Krankenhausgeburten zwischen April 2012 und März 2022. Berücksichtigt wurden Schwangerschaften ab der 20. Schwangerschaftswoche oder mit einem Geburtsgewicht von mindestens 500 Gramm.

Die Gewichtszunahme wurde entsprechend den Empfehlungen des Institute of Medicine (IOM) in drei Gruppen eingeteilt:

  • unzureichende Gewichtszunahme,
  • angemessene Gewichtszunahme,
  • übermäßige Gewichtszunahme.

Anschließend verglichen die Forschenden diese Gruppen mit dem Auftreten schwerer mütterlicher Morbidität.

Mehr als jede zweite Schwangere nahm zu viel zu

Die Auswertung zeigte, dass eine übermäßige Gewichtszunahme während der Schwangerschaft weit verbreitet ist.

Von den untersuchten Schwangerschaften entfielen:

  • 18,6 Prozent auf eine unzureichende Gewichtszunahme,
  • 28,6 Prozent auf eine empfohlene Gewichtszunahme,
  • 52,8 Prozent auf eine übermäßige Gewichtszunahme.

Insgesamt entwickelten 1,46 Prozent der Frauen – etwa drei von 200 Schwangeren – eine schwere mütterliche Komplikation.

Eine übermäßige Gewichtszunahme erhöht das Risiko in allen BMI-Gruppen

Eine übermäßige Gewichtszunahme in der Schwangerschaft erhöht deutlich das Risiko schwerer Komplikationen 1Im Vergleich zu Frauen mit empfohlener Gewichtszunahme war eine übermäßige Gewichtszunahme in sämtlichen BMI-Kategorien mit einem höheren Risiko für schwere mütterliche Morbidität verbunden. Die Risikoerhöhungen betrugen:

  • Untergewicht: 33 Prozent
  • Normalgewicht: 24 Prozent
  • Übergewicht: 16 Prozent
  • Adipositas Grad I: 21 Prozent
  • Adipositas Grad II: 28 Prozent
  • Adipositas Grad III: 24 Prozent

Damit zeigte sich, dass nicht ausschließlich Frauen mit Übergewicht oder Adipositas gefährdet sind. Auch Frauen mit niedrigem oder normalem Ausgangsgewicht profitieren offenbar von einer Gewichtszunahme innerhalb der empfohlenen Grenzen.

Auch eine zu geringe Gewichtszunahme kann problematisch sein

Nicht nur eine zu starke, sondern auch eine unzureichende Gewichtszunahme war mit gesundheitlichen Risiken verbunden.

Vor allem bei Frauen mit Normalgewicht und Übergewicht vor der Schwangerschaft war eine zu geringe Gewichtszunahme mit einem erhöhten Risiko für schwere Komplikationen verbunden. Das Risiko lag bei Normalgewichtigen um 13 Prozent und bei Übergewichtigen um 19 Prozent höher.

Nach Angaben der Forschenden spielte eine geringe Gewichtszunahme insbesondere bei Frauen mit Untergewicht, Normalgewicht oder Übergewicht eine Rolle, während der Zusammenhang bei Frauen mit Adipositas weniger ausgeprägt war.

Vorerkrankungen verstärken das Risiko zusätzlich

Besonders kritisch wurde die Situation, wenn bereits vor der Schwangerschaft Erkrankungen wie Diabetes oder chronischer Bluthochdruck bestanden. In diesen Fällen führte eine übermäßige Gewichtszunahme nicht nur zu einer einfachen Addition der Risiken. Vielmehr verstärkten sich die einzelnen Risikofaktoren gegenseitig, sodass das Gesamtrisiko deutlich höher ausfiel als erwartet.

Ein Beispiel aus der Studie verdeutlicht dies: Eine normalgewichtige Frau mit Diabetes oder chronischem Bluthochdruck, die während der Schwangerschaft zusätzlich übermäßig an Gewicht zunahm, hatte nahezu ein dreifach erhöhtes Risiko für schwere mütterliche Morbidität im Vergleich zu einer normalgewichtigen Frau ohne Vorerkrankungen und mit einer Gewichtszunahme im empfohlenen Bereich.

Konsequenzen für die Schwangerschaftsvorsorge

Die Forschenden sehen in ihren Ergebnissen einen wichtigen Hinweis darauf, dass die Empfehlungen zur Gewichtszunahme während der Schwangerschaft künftig weiterentwickelt werden könnten. „Eine Gewichtszunahme außerhalb der empfohlenen Bereiche kann mit einem erhöhten Risiko schwerer Schwangerschaftskomplikationen verbunden sein, wobei sich die Auswirkungen je nach BMI vor der Schwangerschaft unterscheiden“, schreiben die Autorinnen und Autoren. Sie betonen, dass eine gesunde Gewichtszunahme nicht nur für Frauen mit Übergewicht wichtig sei. Die Ergebnisse zeigten vielmehr, dass alle Schwangeren – unabhängig von ihrem Ausgangsgewicht – von einer engmaschigen Beratung und Unterstützung profitieren könnten.

Da mehr als jede zweite Frau in der Studie übermäßig an Gewicht zunahm, sprechen sich die Forschenden dafür aus, zusätzliche Ressourcen bereitzustellen, um Schwangere bei einer gesunden Gewichtsentwicklung zu unterstützen. Dies könne dazu beitragen, das Risiko schwerer Komplikationen zu senken und sowohl die Gesundheit der Mutter als auch die des Kindes langfristig zu verbessern.

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