Ein internationales Forschungsteam von Stanford Medicine, der University of California San Diego und der University of Oxford hat ein neuartiges tragbares Ultraschall-Pflaster entwickelt, das den Blutfluss des Fötus und der Nabelschnur kontinuierlich überwachen kann. Das flexible Gerät wird direkt auf den Bauch der Schwangeren geklebt und liefert in Echtzeit wichtige Informationen über die Versorgung des ungeborenen Kindes. Die Technologie könnte insbesondere bei Risikoschwangerschaften neue Möglichkeiten eröffnen. Die ersten Ergebnisse zur Entwicklung und Validierung des Geräts wurden im Fachjournal Nature Biotechnology veröffentlicht.
Warum eine bessere fetale Überwachung dringend benötigt wird
Derzeitige Methoden zur Überwachung von Risikoschwangerschaften stoßen häufig an ihre Grenzen. Besonders problematisch ist dies bei Schwangerschaftskomplikationen wie der intrauterinen Wachstumsrestriktion. Dabei wächst der Fötus langsamer als erwartet, meist weil er über die Plazenta und die Nabelschnur nicht ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt wird.

Von dieser Komplikation sind weltweit schätzungsweise rund zehn Prozent aller Schwangerschaften betroffen. In schweren Fällen kann die unzureichende Versorgung lebensbedrohlich werden. Ärzte stehen dann oft vor einer schwierigen Entscheidung: Wird das Baby zu früh entbunden, steigt das Risiko von Komplikationen durch Frühgeburtlichkeit. Wartet man jedoch zu lange, kann eine fortschreitende Unterversorgung zu schweren Schäden oder sogar zu einer Totgeburt führen. Eine kontinuierliche und zuverlässige Überwachung des Blutflusses könnte deshalb entscheidend sein, um frühzeitig Veränderungen zu erkennen und den optimalen Zeitpunkt für medizinische Eingriffe besser einzuschätzen.
Grenzen der bisherigen Überwachungsmethoden
Bislang werden Risikoschwangerschaften meist mithilfe von Doppler-Ultraschall oder Kardiotokographie überwacht. Beide Verfahren liefern wichtige Informationen, haben jedoch erhebliche Einschränkungen. Der klassische Doppler-Ultraschall kann den Blutfluss in der Nabelschnur zwar messen, erfasst jedoch nur kurze Momentaufnahmen. Zudem benötigt die Untersuchung geschulte Ultraschalltechniker und spezielle Termine. Gerade bei stationären Hochrisikopatientinnen ist eine kontinuierliche Überwachung deshalb nur schwer umzusetzen.
Auch die Kardiotokographie, bei der fetale Herzfrequenz und Wehentätigkeit gemessen werden, ist fehleranfällig. Bewegungen des Fötus können falsche Signale verursachen oder dazu führen, dass das Gerät zeitweise gar keine verwertbaren Daten liefert. Dadurch müssen die Sensoren häufig neu positioniert werden. Die auf Risikoschwangerschaften spezialisierte Geburtshelferin Jane Chueh beschreibt die derzeitige Situation als sehr belastend – sowohl für das medizinische Personal als auch für die Schwangeren selbst. Besonders bei stationären Patientinnen sei es oft schwierig, mehrmals täglich zuverlässige Messwerte zu erhalten.
Wie das neue Ultraschall-Pflaster funktioniert
Das neu entwickelte Ultraschall-Pflaster ist etwa handtellergroß, flexibel und haftet direkt auf dem Bauch der Mutter. Derzeit ist es noch über ein Kabel mit einem Computer verbunden, der die Ultraschalldaten auswertet. Langfristig plant das Forschungsteam jedoch eine drahtlose Version, die auch eine Überwachung zu Hause ermöglichen könnte. Die Entwicklung des Geräts stellte die Forscher vor mehrere technische Herausforderungen. Anders als viele tragbare Gesundheitssensoren misst das Pflaster keine Daten an der Körperoberfläche, sondern muss Informationen tief aus der Gebärmutter erfassen. Gleichzeitig befinden sich sowohl Mutter als auch Fötus ständig in Bewegung.
Um dieses Problem zu lösen, entwickelten die Wissenschaftler einen speziellen Bildsegmentierungsalgorithmus. Das System verfolgt in Echtzeit den Bereich, an dem die Nabelschnur mit der Plazenta verbunden ist. Dieser Abschnitt bleibt selbst dann relativ stabil, wenn sich der Fötus bewegt oder die Mutter ihre Position verändert. Dadurch kann das Pflaster präzise Messwerte liefern, ohne ständig neu ausgerichtet werden zu müssen.
Nach ersten Tests an einer Simulationspuppe überprüften die Forscher zunächst die Sicherheit des Geräts. Dabei stellten sie sicher, dass weder zu viel akustische noch mechanische Energie auf den Fötus übertragen wird. Das Pflaster erfüllt die Sicherheitsstandards der US-amerikanischen Food and Drug Administration sowie weiterer internationaler Ultraschallgesellschaften. Anschließend testete das Team das System an 62 schwangeren Frauen und verglich die Ergebnisse mit herkömmlichen Doppler-Ultraschallgeräten. Die Daten erwiesen sich als statistisch gleichwertig.

Das Pflaster konnte alle drei Hauptgefäße der Nabelschnur darstellen – zwei Arterien und eine Vene – und zusätzlich den Blutfluss wichtiger fetaler Gefäße erfassen. Außerdem war das Gerät in der Lage, anatomische Strukturen wie Kopfumfang, Bauchumfang und die Länge des Oberschenkelknochens zu messen. Mithilfe dieser Daten lässt sich auch das geschätzte Gewicht des Fötus bestimmen, ein wichtiger Faktor bei der Diagnose von Wachstumsstörungen. Bemerkenswert war zudem, dass das System auch bei Bewegung der Schwangeren zuverlässig funktionierte und unabhängig von der Lage der Plazenta stabile Messwerte lieferte.
Gerät erkannte schwere Komplikation frühzeitig
Während der Studienphase machte das Forschungsteam eine besonders wichtige Beobachtung. Bei einer Teilnehmerin in der 28. Schwangerschaftswoche zeigte das Pflaster auffällige Schwankungen im Blutfluss der Nabelschnur, obwohl die fetale Herzfrequenz zunächst normal erschien. Zunächst vermuteten die Wissenschaftler einen technischen Fehler. Nach mehreren Überprüfungen zeigte sich jedoch, dass das Gerät korrekt arbeitete. Die behandelnden Ärzte kamen zu dem Schluss, dass der Fötus möglicherweise nicht ausreichend versorgt wurde.
Weitere Untersuchungen bestätigten schließlich eine schwere Plazentadysfunktion. Die Patientin wurde engmaschig überwacht, und vier Tage später entschieden sich die Ärzte für einen Kaiserschnitt. Das Baby musste anschließend auf der neonatologischen Intensivstation behandelt werden, entwickelte sich jedoch gut. Für die Forscher war dieser Fall ein wichtiger Hinweis darauf, dass das Pflaster potenziell gefährliche Veränderungen früher erkennen könnte als herkömmliche Überwachungsmethoden.

